Das zweitägige Musikfestival Houbara – Resonanzen Iran feierte in 2023, inspiriert von der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung, Premiere. Auch die vierte Ausgabe 2026 versteht sich als Ort des Austauschs, der Begegnung und des gemeinsamen Erlebens. Angesichts des aktuellen zerstörerischen regionalen Krieges sowie den brutalen Repressionen und der Internetsperre durch das iranische Regime ist es von größter Dringlichkeit, aktuellen zeitgenössischen Stimmen aus der Region eine Plattform zu bieten. Das Ziel ist, das maßgebliche Erbe iranischer und kurdischer Kultur und Kunst zu würdigen, um Diskussionen und ein gesteigertes Bewusstsein anzuregen.
Houbara ist Künstler:innen und Ensembles gewidmet, die Genregrenzen infrage stellen und dabei eigene Klangwelten erschaffen und erforschen. Ein Begegnungsraum für musikalische Erkundungen, feministische Perspektiven und grenzüberschreitende Hörerfahrungen – zwischen Experiment und Tradition, zwischen persönlichem Ausdruck und politischem Statement. In diesem Jahr legen Kuratorin Sophie Emilie Beha und Co-Kuratorin Mona Matbou Riahi den Fokus auf zeitgenössische und grenzensprengende Musik, die berührt, verbindet und neue Hörweisen eröffnet. Houbara versteht sich als Einladung, gemeinsam zuzuhören, sich auszutauschen und neue Perspektiven zu entdecken.
Das Festival eröffnet am Samstag, 30. Mai, mit zeitgenössischen Kompositionen iranischer Studierender aus Teheran, die eigens für das Kölner Quater Ensemble entstanden sind. Im Anschluss widmen sich Arefeh Hekmatpanah und Marco Blaauw (Ensemble Musikfabrik) den aktuellen Klangmöglichkeiten von Trompete und Feedback und erkunden dabei neue, experimentelle Ausdrucksformen. Den Abschluss des ersten Abends bildet die mitreißende Performance von Kurdophone, in der sich kurdische und iranische Musiktraditionen kraftvoll und lebendig miteinander verweben.
Am darauffolgenden Tag, Sonntag 31. Mai, setzt das Ensemble Chakâm diesen Dialog fort: Benannt nach einer alten persischen Gedichtform, entfaltet es eine musikalische Sprache aus miteinander ‚sprechenden‘ Streichinstrumenten, fein nuancierter Klangprosa und intensiven Spannungsbögen. Avin Ahmadi verwandelt den Green Room mit ihren poetischen Songs in eine schwebende, intime Zwischenwelt. Zum Ende des Festivals präsentiert das Delaram Kafashzadeh Quintet ein ebenso poetisches wie energiegeladenes Konzert – fest im Jazz verwurzelt und zugleich tief verbunden mit dem klassischen persischen Erbe.
Die Konzerte werden am ersten Tag von einem Podiumsgespräch, kuratiert vom korsi collective, und am zweiten Tag von einem Kurzfilmprogramm, kuratiert von Visions of Iran, umrahmt. Der Eintritt zu diesen beiden Veranstaltungen ist kostenfrei.
Der Houbara übrigens ist ein iranischer, endemischer Zugvogel, der vom Aussterben bedroht ist. Der Titel bezieht sich auch auf „Die Konferenz der Vögel” (منطق الطیر) von Fariduddin Attar – eine große mystische Dichtung, die zu den bedeutendsten Werken der persischen Literatur zählt. Sie beschreibt die Wallfahrt von Tausenden von Vögeln der Welt, die auf der Suche nach einem idealen König sind. Am Ende bleiben dreißig Vögel übrig – und erkennen, dass sie selbst der gesuchte König sind.
Fotocredits: Houbara © Christian Schäfer