Seit 2002 definiert Peter Evans neu, was es bedeutet, solo auf der Trompete aufzutreten. Weit entfernt von einem konventionellen Rezitalisten erschafft Evans eine unmittelbare, skulpturale Klangwelt, die die Grenze zwischen Komponist und Improvisator, Musik und Körperlichkeit auflöst. Seine Aufführungen sind nicht nur Konzerte — sie sind Akte klanglicher Erforschung, die die eigentliche Idee dessen herausfordern, was ein Instrument sein kann.
Ein Pionier der Solo-Trompeten-Performance, erlangte Evans frühe Anerkennung mit More is More (2006, psi) und hat seitdem eine Sprache herausgearbeitet, die traditionelle und „erweiterte“ Techniken übersteigt. Seine Beherrschung des Instruments ist vollständig: Atem, Ventile und Ansatz werden mit erstaunlicher Beweglichkeit manipuliert, um ein Spektrum von Klängen zu erzeugen — durchdringende Harmonien, kehliges Murmeln, mechanisierte Rhythmen und kaleidoskopische mikrotonale Texturen.
Was Evans’ Solo-Performances außergewöhnlich macht, ist ihre Verschmelzung von extremer technischer Kontrolle mit improvisatorischer Freiheit. Jedes Set ist eine lebendige Komposition, die sich an die Akustik des Raumes, die Energie des Publikums und sogar an die räumliche Dynamik des Aufführungsortes anpasst. Anstatt Genre-Erwartungen zu entsprechen — ob Jazz, Neue Musik oder experimentell — synthetisiert Evans sie alle und demontiert dann den Rahmen vollständig.
Das Ergebnis ist eine Aufführung, die zugleich leidenschaftlich intellektuell und zutiefst körperlich ist. Wie The New York Times es beschrieb, entfesselt Evans „einen Strom atemberaubender, athletischer und oft verstörender Virtuosität“, der den Zuhörer sowohl ehrfürchtig als auch verunsichert zurücklässt. Seine Konzerte sind unvorhersehbar, kompromisslos und völlig fesselnd.
Fotocredit: Peter Evans © Jože Požrl