Das von NICA artist Marlies Debacker kuratierte Konzert präsentiert Ghazal Faghihi. Die in Belgien lebende Klarinettistin stellt ihr kürzlich bei Relative Pitch Records veröffentlichtes Soloalbum Penumbra als Soloset in der Christuskirche Köln vor. Aufgenommen wurde das Album passenderweise in der Sint-Pauluskerk in Gent.
Faghihis Faszination für historische Instrumente veranlasste sie, sich auf die historische Klarinette zu spezialisieren, während sie sich gleichzeitig intensiv damit beschäftigte, den akustischen Charakter ihres Instruments mit elektronischen Klanglandschaften zu verschmelzen. In ihrem Soloprojekt experimentiert sie mit Materialien, Objekten und Elektronik, wobei die Klarinette als Quelle von Schwingung, Resonanz und Transformation dient. Das Instrument bewegt sich zwischen akustischem Klang und elektronisch vermittelter Resonanz und schafft so eine fließende Klangumgebung, in der sich die Grenzen zwischen den Klangfarben allmählich auflösen.
Darüber hinaus wird auch ein eigens für den Abend zusammengestelltes Quartett zu hören sein, bestehend aus Marlies Debacker am Klavier, Ghazal Faghihi an der Klarinette sowie Debackers Kölner Weggefährt:innen Salim(a) Javaid am Saxophon und der Cellistin Elisabeth Coudoux. Der Atem der Musik ist hierbei auf den feinen, langen Hall der Christuskirche zugeschnitten, der eine hohe Transparenz des Klanggeschehens erlaubt und gewaltigen musikalischen Ausbrüchen wehmütig nachblickt. Im musikalischen Sinne sitzen die beteiligten Musiker:innen zwischen den Stühlen: Klassik und Jazz, Improvisation und Neue Musik, Spontaneität und Präzision. Alle treten in verschiedensten Kontexten auf – von Kammermusik über Performance bis hin zu Free Jazz – und musizieren in wechselnden Formationen miteinander. Während Javaid und Debacker regelmäßig als Duo für improvisierte Musik auftreten und sich als zwei Drittel der Kammermusikformation Trio Abstrakt einen internationalen Ruf als Spitzenmusiker:innen der Neuen Musik erarbeitet haben, konzertiert Debacker mit Coudoux in diversen festen und ad hoc entstandenen Formationen. Im Zusammenspiel der vier Musiker:innen werden die Grenzen zwischen Spielhaltung und Klangästhetik verwischt. Irgendwo zwischen freier Improvisation, Konzept, Neuer Kammermusik und pseudoelektronischen Texturen entfaltet sich eine düstere, zeitlose und vielschichtige Klangwelt.
Foto: Ghazal Fahgihi © Sarah Jacques, Marlies Debacker © Sophia Hegewald, Salim(a) Javaid © Sophia Hegewald, Elisabeth Coudoux © Niclas Weber