2025 wurde Ursula Krechel endlich mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt, für ein Werk, das sich durch eine minutiöse Recherche, literarische Präzision und Poesie auszeichnet. Ihre romanästhetische Aufarbeitung von Exil, Flucht, Verfolgung, Feminismus, kurz, der harten Realität nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute, zeigt die 1947 in Trier geborene Autorin als eine höchst sensible Beobachterin dessen, was da schiefläuft. Nicht als Aktivistin, sondern als Sprachvirtuosin, setzt sie das Wort dort ein, wo Recht und Gerechtigkeit bedroht sind. Ihr Bestseller „Landgericht“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, erzählt das Leben eines deutsch-jüdischen Richters, der nach der Rückkehr aus dem Exil in die Bundesrepublik versucht, seine Würde wieder herzustellen – und daran zerbricht. Auch ihr jüngster Roman „Sehr geehrte Frau Ministerin“, der eine Art Kulturgeschichte aller Frauen ist, zeichnet sich durch den Widerstand der Figuren gegen die Gewalt aus, die ihnen angetan wird. Zuletzt hat sie mit dem Essay „Vom Herzasthma des Exils“ die Migrationsdebatte auf ein neues Niveau gehoben – „ein großer Wurf“, wie Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung schrieb. “Ich stemme mich mit meiner ganzen Arbeit dagegen, Vergessen zuzulassen“, sagte Ursula Krechel. Genau das wollen wir im Literarischen Salon auch.
Fotocredit: Ursula Krechel © Heike Steinweg